Mit Sprüchen kann man kein Land regieren…

Domkapitular Dr. Thomas Witt ist Vorsitzender des Caritasverbandes für das Erzbistum Paderborn und seit Februar 2016 zusätzlich Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen. cpd Paderborn/Düsseldorf, 29. März 2017. Die bevorstehende Landtagswahl ist Schwerpunktthema der neuen Ausgabe von Caritas in NRW. Mit vielfältigen Impulsen bringt sich im Vorfeld der katholische Wohlfahrtsverband in die politische Diskussion ein. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem die Auseinandersetzung mit rassistischen und demokratiefeindlichen Tendenzen in der Gesellschaft. So hat der Diözesan-Caritasverband Paderborn über 150.000 besonders gestaltete „Wahlscheine“ in Umlauf gebracht, die an die Grundlagen unseres friedlichen Zusammenlebens erinnern. Andere Verbände laden zur Diskussion „auf eine Currywurst“ ein oder kommen – wie jüngst in Arnsberg – mit Passanten auf einem knallroten Sofa im öffentlichen Raum ins Gespräch…

Klare Kante zeigen gegen Menschenverachtung ist das eine, aber wie konkret umgehen mit rechtspopulistischen Parteien wie der AfD, die wahrscheinlich in den Landtag einziehen wird? Auch innerhalb der Kirche gebe es Menschen, die mit der AfD sympathisierten, so der Vorsitzende des Diözesan-Caritasverbandes Paderborn, Domkapitular Dr. Thomas Witt, in der neuen Ausgabe von Caritas in NRW. „Hier wäre es sicher wert, auf die einzelnen Forderungen dieser Partei zu schauen. In manchen Fragen ist ein Punkt getroffen, über den man nachdenken muss, andere Dinge sind für uns indiskutabel.“ Und nach der Wahl? „Gewählten Abgeordneten in unserem Landtag sollten wir das Gespräch nicht verweigern – außer sie stehen eindeutig für eine Haltung, die menschenverachtend ist.“ Man wolle einen Beitrag dafür leisten, dass die groben Klötze ein wenig feiner werden, und die Vereinfacher sich einer Differenzierung aussetzen müssen. „Mit Sprüchen kann man kein Land regieren, man muss schon ein bisschen mehr bieten.“

Neben dem Umgang mit Rechtspopulismus spielt in der neuen Ausgabe von Caritas in NRW natürlich auch die Sozialpolitik eine Rolle. Die Caritas wirbt hier auf Landesebene für einen langen Atem, denn Armut und Ausgrenzung ließen sich nur langfristig durch Bildung verhindern. Präventive Sozialpolitik müsse man in langen Zyklen planen, schreibt der Münsteraner Diözesan-Caritasdirektor Heinz-Josef Kessmann „Nur so lässt sich Schritt für Schritt die in Deutschland nach wie vor extrem hohe Abhängigkeit der Bildungschancen von der sozialen Stellung der Eltern überwinden.“

Hinweis: Die neue Ausgabe von Caritas in NRW ist in Einzelexemplaren erhältlich beim Caritasverband für das Erzbistum Paderborn, Am Stadelhof 15, 33098 Paderborn, Tel. 05251 209-222, . Das Interview mit Dr. Witt und andere ausgewählte Beiträge sind auch online verfügbar unter www.caritas-nrw.de.