Paten und Patenschaften in Oeventrop

Eine Aufnahme vom Zuckerfest, an dem viele Flüchtlinge und Paten teilnahmen: Bei Kaffee, Kuchen und internationalen Gerichten kamen alle ins Gespräch. Es wurde gelacht, gesungen und getanzt und die ausländischen Gäste bedankten sich für dieses wunderbare Fest. Thomas Röttger Es dauert nicht mehr lange, dann jährt sich die Flüchtlingsarbeit in Arnsberg Oeventrop. Ein Jahr voller Vielfältigkeit und immer wieder neuer Herausforderungen neigt sich dem Ende. Zu Beginn der Flüchtlingsarbeit im November 2015 stellten wir uns die Frage nach geeigneter Begleitung der 160 Flüchtlinge vieler Nationen. Schon bald bildeten sich Patenschaften für die Familien oder auch einzelner Flüchtlinge heraus. Schnell stellten wir fest, dass diese Form der Begleitung eine geeignete Art der Bewältigung der unterschiedlichen Anliegen, Fragen und Aufgaben von Seiten der Flüchtlinge darstellte. Dreiundvierzig Paten begleiten bis zum heutigen Tag die Flüchtlinge und alle stehen sie immer wieder vor hohen Herausforderungen aufgrund der Sprache, der finanziellen Not oder der miserablen Wohnungssituation.

Inzwischen sind über 100 Flüchtlinge in 33 Wohnungen in Oeventrop und Umgebung umgezogen und werden fast alle weiterhin von ihren Paten regelmäßig besucht. Die Paten haben die Flüchtlinge bei der Wohnungssuche, Wohnungsmöblierung durch das virtuelle Möbellager in Oeventrop, bei Behördengängen, Kita- und Schulanfragen, zur Kleiderkammer, beim Hygieneverhalten in Deutschland und Mülltrennungssystem begleitet. Es hat sich gezeigt, dass die Paten als sehr vertrauenswürdig von den Flüchtlingen gesehen werden und diese spiegelbildlich reagieren. Viel braucht es nicht, dass die Flüchtlinge sich in der Regel an das Wertesystem anpassen. Das gelingt durch Patenschaften um ein Vielfaches leichter.

Die Paten begleiten mit großer Verantwortung und Verbundenheit die Patenschaften und geben viel Zeit und Energie zum Wohle der Paten mit ein. Dazu gehört auch ein hohes Maß an Flexibilität und Einsatzvermögen von Seiten der Paten, damit die Flüchtlinge sich in das Leben in Deutschland einfinden können. Alle unsere Paten in Oeventrop lassen sich auch durch immer wieder neue Herausforderungen nicht von ihrer Aufgabe abbringen und zeigen weiterhin hohes Engagement, damit sich die Flüchtlinge willkommen fühlen.

Bericht einer Oeventroper Patin

Es ist schwer in Worte zu fassen, welche Gefühle, Gedanken und Aufgaben mich die letzten Monate begleitet haben. Aber eins kann ich vorab sagen: Jede einzelne Minute, die ich mich ehrenamtlich engagiert habe, hat sich gelohnt. Diese Zeit hat mich aufgeschlossener, reifer, geduldiger und auch selbstbewusster gemacht.

Als das Camp bei uns eingerichtet wurde dachte ich mir: "Ja klar, ein bisschen helfen kann ich ja". Ich fand es super, dass sich so viele helfende Hände gefunden hatten und war stolz auf alle. Schnell ergab sich dann auch die Frage, ob man nicht eine Patenschaft übernehmen könne. Zu Beginn war mir schon etwas mulmig bei dem Gedanken und ich musste auch eine Zeitlang überlegen, ob ich mir das wirklich zutraue.

Und ich muss zugeben: Es ist ein organisatorisches Meisterwerk, welches man zu Beginn vollbringen muss; das möchte ich nicht herunterspielen. Und doch kann ich nur jeden auffordern, der Interesse und vielleicht ein wenig (viel) Zeit investieren kann, sich zu überlegen eine Person oder eine Familie im Rahmen einer Patenschaft zu begleiten.

Ich war euphorisch, Menschen helfen zu können und ängstlich ihre Geschichten zu erfahren. Im Laufe der Zeit habe ich viel mit meinen neuen Freunden gelacht, aber auch einige Tränen vergossen. Ich habe Geschichten gehört, Ich habe Bilder gesehen und bin immer noch erstaunt über so viel Willenskraft etwas zu erreichen.

Manchmal hatte ich auch ein schlechtes Gewissen, wenn nicht alles auf Anhieb so geklappt hat, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber die lachenden Gesichter sagen einem sofort "Danke, dass du für uns da bist!".

Ich war erstaunt, wie viele Bekannte, Freunde und Arbeitskollegen mich angesprochen haben, um bei der Einrichtung einer Wohnung zu helfen. Oder einfach nur festgestellt haben, dass man doch ein, zwei Sachen zu viel im Schrank hat. Und diese Hilfe reißt nicht ab. Ich werde oft angerufen oder angeschrieben, ob ich nicht noch dieses oder jenes gebrauchen könne. So tut jeder was er kann und das gehört für mich in eine gut funktionierende Gesellschaft.

Auch der Kontakt zu Ämtern und verschiedenen Institutionen gehört zu einer Patenschaft dazu. Und wie auch in meinem Privatleben läuft leider nicht immer alles glatt. Aber ich war überrascht, dass ich wirklich immer mit verständnisvollen, hilfsbereiten und geduldigen Personen Kontakt hatte.

Mittlerweile sind meine "Patenkinder" in einer ausreichend eingerichteten Wohnung und die Anfangsschwierigkeiten sind überwunden. Wir unternehmen regelmäßig etwas zusammen und tauschen uns aus. In Kürze steht das Gespräch zur Asylbewilligung bevor und ich kann nur mental an ihrer Seite sein und die Daumen drücken. Denn sie wollen das gleiche wie wir, ein sicheres, gerechtes und vor allem hoffnungsvolles Leben.

Viele Aufgaben liegen noch vor uns und ich hoffe, dass mit den wachsenden Deutschkenntnissen auch die Integration weiterhin steigen wird. Aber ich denke die Schul- und Kindergartenbesuche werden ihr übriges tun.

Und zum guten Schluss: Jede noch scheinbar zu große Aufgabe, jede Aufregung und jeder Ärger haben sich gelohnt und werden sich auch in Zukunft lohnen! Und ganz ehrlich: Die schönen Momente überwiegen doch einfach!

Jana Rasecke